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„Der Tod des Filmemachers“, ein Stop-Motion-Animationsfilm mit Puppen, ist die Master-Abschlussarbeit von Cornelius Koch im Studiengang Zeitbasierte Medien an der Hochschule-Mainz. Sie wird gefördert durch die Nachwuchsmedienförderung Rheinland-Pfalz und konnte eine Startnext Kapagne erfolgreich abschließen.

Über das Projekt „Der Tod des Filmemachers“

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Synopsis

Ein Film über die Magie von Stop-Motion, ein Diskurs über freien Willen, ein Agentenfilm über einen Superschurken, der keiner sein will. Das ist die Abschlussarbeit von Cornelius Koch, der seit Oktober 2014 in Mainz in einer selbstgeschusterten Werkstatt Großes im ganz Kleinen realisieren will.

Der Protagonist Fredelius ist eine Animationspuppe und erwacht in der Trickfilmwerkstatt des Filmemachers, seines Schöpfers, der bereits das Zeitliche gesegnet hat. Zusammen mit anderen Figuren wurde er erschaffen, um eine bestimme Rolle in einem Filmuniversum zu spielen. Doch zunächst löst die Szenerie unlösbare Fragen über sein Dasein aus. Erst als Fredelius das Drehbuch findet, erhält er etwas Klarheit. Er ist der mordende Bösewicht des unvollendeten Films. Bei dem Versuch, seinem Schicksal zu entrinnen, wird er konfrontiert mit den großen Fragen der Existenz.

Mit seinem postmodernen und selbstreflexiven Ansatz verfolgt Der Tod des Filmemachers eine unkonventionelle Erzählstrategie: Die Figur wird sich ihrer Materialität sowie ihrer Rolle bewusst und versucht, dagegen zu rebellieren. Form und Inhalt werden durch die Machart des Films in besonderer Art und Weise miteinander verwoben. Gleichzeitig behandelt die Geschichte den Diskurs von freiem Willen ebenso wie das Thema der Existenz zwischen deren Polen Leben und Tod.

fred köpfeTechnische Mittel

Mithilfe des Stop-Motion-Verfahrens werden die toten Puppen zum Leben erweckt. Diese beinahe schon archaische Methode der Filmproduktion wird gepaart mit den Möglichkeiten der digitalen Bildmanipulation. Die Kreuzung von analog und digital ist unerlässlich, um Hilfskonstruktionen wie Stäbe zu retuschieren. Allerdings gilt stets die Prämisse, dass möglichst viel analog – also „in camera“ – aufgenommen wird, um die Möglichkeiten der Fotographie (z.B. durch Langzeitbelichtung Lichteffekte zu erzeugen) voll auszuschöpfen. Die Stop-Motion-Technik wird dabei kontrastreich angereichert mit einer Realfilm-Sequenz, die in surrealistischer Manier den Schöpfungsprozess der Figuren beleuchtet.

Hier wird die tatsächliche Machart der Puppen nachgestellt: Aufbauend auf einem Kugelgelenk-Skelett, werden die Metallteile mit Schaumstoff überzogen und mit selbstgenähter Kleidung versehen. Für die beweglichen Hautpartien wurde Silikon benutzt. Um einen großen Spielraum mimischer Darstellbarkeit zu erreichen, wird auf eine modulares Replacement-Methode gesetzt, welche ermöglicht Gesichter und Münder auszutauschen. Eine Besonderheit ist die lebensgroße Puppe des toten Filmemachers, die im Lifecast-Verfahren von einer professionellen Maskenbildnerin hergestellt wurde. So kann die Leiche über Monate in einem Filmset liegen und begehbares Objekt für Animationsfiguren werden.

Bereits seit Herbst 2014 läuft nun die beachtliche Produktion, für die mehrere Räume auf dem Gelände der alten Waggonfabrik, einer ehemaligen Panzerproduktionsstätte, in Mainz-Mombach angemietet werden. Dort befindet sich die Werkstatt, der Ort der Entstehung von Figuren und Filmsets. Einerseits ist das Filmdesign inspiriert von einschlägigen Agentenfilmen, andererseits von den Gegebenheiten des Mainzer Gewerbegeländes. Mit Blick auf eine möglichst kostengünstige Produktion wurde Upcycling zur Methode der Setherstellung erhoben. So konnte ein Großteil der Ausstattung für das industrielle Filminterieur rund um das Gewerbegebiet gefunden werden. Ein Spülmaschinenfilter wird zum Säurekessel, ein Feuerlöscher wird zur Atombombe. Dabei helfen Werkzeuge und Farben sowie der Perspektivwechsel zum Maßstab 1:9.

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Umsetzung

Der Film ist die Abschlussarbeit von Cornelius Koch im Masterstudium Zeitbasierte Medien an der Hochschule Mainz. Dabei macht sich bemerkbar, dass der Autor und Regisseur des Films zuvor ein Studium der Filmwissenschaft und Philosophie an der Universität Mainz absolviert hat. Ohne die Filmindustrie im Rücken setzt der Independent-Film auf DIY, der Großteil der Produktion erfolgt im Alleingang. Neben einer erfolgreichen Crowdfunding-Kampagne und der Hilfe der Nachwuchsmedienförderung Rheinland-Pfalz, erfolgt die Finanzierung mit eigenen Mitteln. Da die meisten Produktionsschritte und künstlerischen Entscheidungen in Eigenregie erfolgen und der Film eine ambitionierte Länge von 25 min anstrebt, fordert das Projekt das Team mit einer langen Produktionsdauer heraus. Die Produktion wird voraussichtlich im Sommer 2017 abgeschlossen sein.

Im Zeitalter der Computeranimation setzt Der Tod des Filmemachers auf die Kraft der handgemachten Filmproduktion und räumt dabei mit dem Vorurteil einer jugendlichen Zielgruppe bei Animationsfilmen auf. Der Film soll mit viel Charme, Witz und Liebe zum Detail begeistern. Eine großangelegte Festivalauswertung gehört ebenso zu den Zielen, wie Fernsehlizenzen zu verkaufen und den Film als Video-On-Demand anzubieten.

Personenvorstellung

cornelius kochPortfolio von Cornelius Koch

Mein Name ist Cornelius Koch, geboren 11.09.1988 in Berlin-Wilmersdorf. Schon in frühen Kindheitstagen habe ich mich nicht nur als Konsument von Medien verstanden, sondern vielmehr als Produzent. Neben Webseitengestaltung und Musikproduktionen, wagte ich mit 12 Jahren meine ersten Gehversuche mit Animationsfilmen. Diese ersten stümperhaften Versuche halfen mir dabei, mir das Filmemachen in Miniaturform selber beizubringen. Die archaische Technik der Stop-Motion-Animation faszinierte mich ungeheuer und verfolgt mich seither mein ganzes Leben – sei es in Form von Legofiguren, Barbiepuppen, Silhouetten oder Knetmännchen.
Zusammen mit einem Freund gründete ich 2004 das Brickboard , ein deutschsprachiges Online-Forum für Legofilmer. Aus einer fixen Idee heraus legten wir damals gemeinsam den Grundstein für eine bis heute aktive deutschsprachige Brickfilmszene die ständig weiter wächst. Im Jahr 2014, in dem der Legofilm durch Warner Bros. von einem Nischenphänomen zum Mainstream wurde, feierte das deutschsprache Legofilmfestival „Steinerei“ sein 10. jähriges Jubiläum. Mit 16 Jahren gewann ich damals mit meinen Film „Der Auftrag“ (2005) den ersten Preis der Jury, was mir einen Gastauftritt im KiKa Live bescherte.
Im Laufe der Jahre häuften sich die Anzahl der fertiggestellten Filmprojekte rapide. Ich habe dabei immer gerne mit unterschiedlichen Leuten aus ganz Deutschland zusammengearbeitet. Nach meinem Zivildienst 2008-2009 bekam ich bei der TV-Film Produktion „Die Grenze“ als Praktikant für drei Monate ersten Einblicke in eine professionelle Filmproduktion.
Im Jahr 2009 begann mein Studium der Filmwissenschaft und Philosophie an der Universität Mainz. Mein damaliger filmischer Modellversuch „cité concrète“ (2011), wurde im Rahmen ausgewählter FiMos im CinéMayence ausgestrahlt. Neben der filmischen Tätigkeit und dem Studium, leitete ich 2011 und 2012 im Rahmen des Kinderfestivals „Goldener Spatz“ zwei Workshops zum Thema Brickfilm.
Mein Studium an der Universität gab mir die Gelegenheit Filme und gesellschaftliche Phänomene mit anderen Augen neu zu sehen. Ich probierte mich als Set-Aufnahmeleiter, Kameramann, Tonmeister, Filmkomponist und Sounddesigner. In dieser Zeit sind zwei weitere Stop-Motion Produktionen entstanden, die zusammen mit Kommilitonen realisiert worden sind. Sie waren meine ersten Auftragsproduktionen. „Willi Alarm“ (2012), ein Musikvideo mit Barbiefiguren und „Das Märchen vom Fluss“ (2013), ein Silhouetten Animationsfilm, als Trailer für eine experimentelle Oper.
Mein Studium setzte ich 2013 mit dem konsekutiven Master Zeitbasierte Medien bei der HS Mainz fort. Dort sammelte ich weitere Erfahrungen im Real- und Animationsfilmbereich. In meinem letzten Animationsfilm „Mongoloid“ (2014) habe ich mich das erste Mal mit Claymation auseinandergesetzt. Seit Februar 2014 arbeite ich als studentische Hilfskraft im ZDF als Musikberater.
Das Projekt „Der Tod des Filmemachers“ ist meine Master-Abschlussarbeit mit der ich eine Fusionierung aus Ideen verwirkliche, die ich schon länger mit mir herumtrage: Was passiert eigentlich wenn eine Stop-Motion Puppe sich ihrer eigenen Materialität und Bestimmung bewusst werden würde? Wenn sie die Technik, die sie selbst zum Leben erweckt, am eigenen Leibe reproduziert? Wenn sie die einzige Rettung sind, ein unvollständiges Filmprojekt abzuschließen?

Cast

Der tote Filmemacher wird gespielt von Mika Metz

michael metz

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